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DAS SEEMANNSHEIM.

Die deutsche Seemannsmission ist eine der, wenn nicht die älteste christliche soziale Entrichtung der Seefahrt in Deutschland.
Damals, als vor über 150 Jahren das erste Seemannsheim in Bremen eröffnet würde, ging es darum, insbesondere die jüngeren angehenden „Sealords“ aus den Krallen der Kneipenwirte und die der Damen des horizontalen Gewerbes fernzuhalten und davor zu schützen.
Man erzählt, dass manche der zukünftigen Kapitäne und Kap-Horn-Segler damals im Seemannsheim sogar das Lesen und Schreiben gelernt haben.
Der Grund, warum Menschen in einem Seemannsheim wohnen, hat viele Väter, trägt viele Namen mit sich herum und hat mehrere Facetten. 
Hauptsächlich waren es Seefahrer auf der Durchreise, die sich vor der Anmusterung oder unmittelbar nach der Abmusterung für kurze Zeit in den Seemannsheimen einquartieren.
Heute ist es anders, denn der Homo sapiens der Meere ist vom Aussterben bedroht und mit ihm die Seemannshäuser und die Seemannsmission als solche.
Seeleute sind einzigartige Menschen.
Sie können sich auf den Weltmeeren gegenseitig umbringen.
Sie können sich die Schiffe unterm Arsch wegschießen und sich mit bloßen Händen abschlachten.
Jeder Homo sapiens der Meere kann aber auch großen menschlichen Altruismus, Mitgefühl und Fürsorge für andere Menschen haben und tatkräftig zupacken, wenn und falls es notwendig sein sollte.
Er ist auch in der Lage, sich mit anderen in Flottenverbänden zu vereinigen, um einen einzigen Mann oder ein verschollenes Schiff tage- und wochenlang auf See zu suchen.
Er ist immer und jederzeit und ohne Vorbehalt bereit, das eigene Leben aufs Spiel zu setzen, um fremden Schiffen oder Seeleuten in Not zu helfen.
Seeleute sind von bedingungsloser Selbstlosigkeit; denn Seeleute können geschworene Feinde sein, jedoch sind sie immer Kameraden auf See und die Ehre und der gute Name des Schiffes ist denen heilig und über alles unantastbar.
Die Reederei ist, oder besser gesagt, war für einen Seemann zumindest ein Begriff der Effizienz und Wirkkraft und für ältere Seefahrer sogar ein Lebensbekenntnis.
Man war was, man fühlte sich, trotz all der Verschiedenheiten und Einzigartigkeit der Charaktere, geschmiedet zu einer Besatzung, einer auf Gedeih und Verderb funktionierenden Einheit. 
Heutzutage würde man Teamwork dazu sagen. 
Die Zusammenarbeit an Bord hatte handfesten Bestand und klappte bestens und wurde vortrefflich konsequent durchgeführt und durchgezogen bis in die Achtzigerjahre hinein.
Das war mal.
Im Laufe der Zeit aber und mit der zunehmenden Ausflaggung der Schiffe, mit dem Aussterben der Seefahrt als nationales Merkzeichen und Handelsflotte als tragende Säule der Wirtschaft verschwand auch der Seemann als solcher.
Der Menschenschlag, der diese Besonderheit stolz in die Welt trug, verlor sich in dem Nebel der Zeit.
Die Seefahrt als Wirtschaftsgrundlage der Küstenländer Deutschlands starb langsam aus und mit ihr der Seemann.
Von dem Tag an verloren die Seemannsheime immer mehr an Bedeutung.
Als dann die Reedereien, wohl aus Kostengründen, auch noch zum direkten Besatzungswechseln an Bord übergingen, blieben die Seemannsheime das ganze Jahr hindurch fast leer.
Dieser negative Trend entwickelte sich in besorgniserregenden Maßen. Besonderes in den letzten zehn Jahren und mit der zunehmenden Bedrohung von terroristischen Attentaten, wo der Landgang aus Sicherheitsgründen den Besatzungen aus dem Mittleren und Fernen Osten sogar verweigert wurde, machte sich diese negative Tendenz auf noch schmerzlichere Weise bemerkbar.
Die Häuser blieben leer, die Einnahmen blieben aus und die Schulden, verursacht durch steigende Kosten, kletterten fast ins Unerträgliche.
Bis in die achtziger und neunziger Jahre hinein zum Beispiel meldete das Seemannsheim in Bremen das ganze Jahr hindurch ein fast volles Haus.
Irgendwann, in den 80er Jahren wurde das Haus dank einer großzügigen Spende der ITF umfassend renoviert.
Die Einrichtung des Hauses wurde erheblich verbessert und freundlicher gestaltet.
Was in früheren Zeiten zuerst das Evangelische Frauenhaus war und später zum erweiterten Seemannshaus wurde, wurde vom Seemannsheimkomplex wieder abgetrennt.
Das ehemalige Frauenheim wurde an einen privaten Anbieter verkauft, der Miet- und Eigentumswohnungen daraus machte, die in kürzester Zeit alle weiterverkauft wurden.
In das neue Seemannshaus wurden auch die Büros der Seemannsmission integriert, sodass nun die gesamte logistische Struktur der Evangelischen Kirche in der Welt der Christlichen Seefahrt unter einem Dach zu finden war
Als aber die meisten Seeleute sich eine eigene Mietwohnung suchten und aus dem Haus auszogen, fingen die Einnahmen des Seemannsheims, das immerhin acht Angestellte zählt, bedrohlich an zu schrumpfen.
Die wichtigste Einnahmequelle des Hauses außerhalb des Mietgeschäftes war die Gaststätte, die im Kellergeschoss untergebracht worden war.
Irgendein Vollidiot aber ließ sie bei der Renovierung des Hauses einfach abreißen. Aus der ehemaligen Gaststätte wurde ein einfacher Billard- und Spielraum für Seeleute, die es gar nicht mehr gab und dort, wo damals einmal die Theke stand, wurde eine Kapelle gezimmert. Man fand auch noch Platz, um neben der Kapelle einen kleine Fernsehraum für Satellitenempfang einzurichten, sodass eventuelle Seeleute aus Übersee auch im Seemannsheim in den Genuss heimlicher TV-Programme kommen konnten.
Fakt ist, dass es gar keine Seeleute gab, und die paar, die sich ins Haus verirrten, hatte anderes im Sinn, als in einem Seemannsheim fernzusehen.
Heute schreiben wir das Jahr 2003 und die Zeiten haben sich für die Seefahrt als solche schmerzlich geändert.
Das Haus ist fast leer und gespenstisch geworden und außer ein paar älteren Seeleute, die fast als lästige sogenannte „Langzeitbewohner“ ihr Dasein, mancher sogar bis zum Tod, fristen, findet man gar keinen Seemann mehr im Haus.
Die neuen Gäste sind meistens Rucksack-Touristen, manchmal bekommt man sogar Menschen aus Übersee zu sehen.
Motorrad- und Fahrrad-Weltenbummler, Globetrotters, Wandertouristen der billigen Art, Jahrmarktverkäufers und ab und zu Studenten, als Ersatz für die damaligen Götter der Meere, die man entweder rausgeekelt hat, oder während manche einfach auszogen, sind die anderen schlicht und einfach verstorben.
Die Umwandlung von den Seeleuten zu den Landratten als Gäste erwies jedoch sich als Rettung für die Seemannshäuser, denn: Wären die Rucksack-Touristen, die Jahrmarkverkäufer, die gelegentlichen Studenten oder irgendein Pärchen auf der Suche nach dezenter Verschwiegenheit nicht gewesen, wären sie allemal den Bach runtergegangen.
Gut, dass Landratten und sonstige Genossen nun das Heim bevölkerten, ansonsten wären die Seemannshäuser Deutschlands wirklich Pleite gegangen.
Das Gespenst der Arbeitslosigkeit mit anschließendem Abrutschen in das Elend eines Hartz-IV-Daseins ist für die meisten der Mitarbeiter des Hauses jedoch eine bittere Realität, die immer näher kommt.
Manche der Häuser mussten sogar wegen Kundenmangel ihre Pforten schon schließen und ihre Arbeit und lange Tradition im Dienste der Christlichen Seefahrt für immer einstellen.
Insbesondere das Seemannsheim in Bremen hat es schlimm erwischt.
Das Seemannsheim zu Bremen wäre ohne den Billighotelbetrieb noch nicht mal mehr in der Lage, monatlich genug Geld aufzutreiben, um die Toiletten des Hauses mit Scheißhauspapier zu versorgen.
Geschweige denn, die Gehälter des Personals zu bezahlen.
Unglaublich, wie es klingen mag, aber es ist die Kurzsichtigkeit aller Beteiligten gewesen, deren Unfähigkeit, die Nöte und das Bedürfnis der gestrandeten Seeleute zu begreifen, die wesentlich dazu beigetragen hat, das Ende der Seemannsheime zu besiegeln, und anschließend in einer nicht allzu fernen Zukunft auch die der Seemannsmission als solche, zu signieren und besiegeln.
Die menschlichen Mängel und die geistige Lethargie des Hauses. 
Die illusorischen Vorstellungen der fachmännischen Leitung des Hauses von Seiten einigen Gehirnamputierten, auf dieser Welt unersetzlich einmalig und unentbehrlich, zu sein. 
Der Überzeugung des Einzelnen, mit ein paar bunten Billigtelefonkarten die Seefahrt zu missionieren und somit die finanzielle Nöte der Häuser zu beheben, hat durchaus dazu beigetragen, diesen Zustand der stagnierenden apathischen Hilflosigkeit des Hauses, zu erreichen. 
Die Seemannshäuser sind, um weiter überleben zu können, heutzutage bei steigenden Betriebskosten auf Spenden angewiesen, die immer spärlicher werden, und nehmen zunehmend die zweckentfremdenden Funktion eines Billighotel um Überhaupt existieren, zu können, wobei heutzutage die wirkliche Fremden in Seemannsheim, fast als Vorwand  für dem weiter bestehen des Vereines geduldet, die Seeleute selbst sind.

Ein Ende des finanziellen Elends des Hauses wegen Mangel an Seeleute ist nicht in Sicht nur das Gespenst von Hartz IV rückt für vielen der Mitarbeiter immer näher.


 
1.4.12 03:42


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