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SSA BENIDICA AVVOSCENZA

BACIAMU  LI  MANI  A VOSSIA!
 
In der Ausgabe von Nov. 2004 der monatlich erscheinenden Zeitschrift VDR im Zusammenhang mit dem Fall der  MT PRESTIGE wird ausführlich berichtet über die wirtschaftlichen Verluste der Reedereien, die im allgemeinen bei der juristischen Abwicklung von solchen Fällen durch sich dahin schleppende, viel zu lange und sehr komplizierte Gerichtsverfahren entstehen.
Es ist nobel und bemerkenswert  zu sehen, wie der VDR  vehement auch gegen die Inhaftierung des Kapitäns des Schiffes, Herrn Apostolas Marulas, zu Felde zieht.
Wie sich diese ehrenwerte Gesellschaft von Reedern sich in die Bresche schmeißt und gegen das Kriminalisieren von Kapitänen, Offizieren und Besatzungen einsetzt, ist einfach einmalig auf dieser Welt. 
Denn die Kriminalisierung der Besatzungen, so der VDR, erfolgt in der Regel nicht durch politische Entscheidungen der Regierungen oder Parlamente, um Gerechtigkeit oder Straftverfahren durchzusetzen, sondern sie ist die Folge öffentlichen Drucks, weil Politiker glauben, damit politische Pluspunkte in den Augen der Öffentlichkeit zu gewinnen oder auch, den Druck auf die Reeder bei der Durchsetzung von Schadensersatzforderungen zu erhöhen.
Diese ehrenwerte Gesellschaft geht noch weiter, sie verdammt auch die Verfolgung von Besatzungsmitgliedern durch staatliche Behörden im Fall von zufälligen Ölaustritten im Meer oder (man lese und staune) weil die Vorschriften von MARPOL verletzt worden sind.
Der erleuchtete Schreiberling, der auf der ersten Seite in der monatlichen Zeitschrift des VDR im November des Jahres 2004 über den Kapitän der MT PRESTIGE schrieb, geht noch tiefer in das Problem hinein.
Ohne Wenn und Aber klagt er, dass die Kriminalisierung der Besatzung, ob sie nun tatsächlich oder immanent ist, die Bekämpfung und Vermeidung von Verschmutzungsunfällen sogar glattweg behindere.
 
Es ist schlimm, wenn Fachverbände sich selbst nur verdrehte halbe Wahrheiten erzählen, wie zum Beispiel das, was ebenfalls in der November-Ausgabe über die Freilassung des Kapitäns des gesunkenen Tankers PRESTIGE, Herrn Apostolas Marulas, aus dem spanischen Gefängnis zu lesen ist.
Wenn dieser Fachverband aber die halben Tatsachen auch noch so verdreht, dass er zum guten Schluss  im Wesentlichen selbst daran glaubt und diese halben Wahrheiten dann als einzige ganze Wahrheit und als Tatbestand unter das Volk verbreitet, dann ist es schon fast fünf NACH zwölf. 
Dann ist es wirklich schlimm. 
Denn, wenn der Dachverband der Deutschen Reeder die Courage hat, sich zu erheben und eine Lanze für den Kapitän des Havaristen zu brechen und die Schuld der Inhaftierung des Kapitäns in Spanien auf den Populismus der Politiker und die Tagespresse zurückführt, dann ist  es nicht nur fünf NACH zwölf, dann hat das Ganze seit langem schon einen kriminellen Beigeschmack bekommen.
In dem spezifischen Fall des Herrn Marulas und dem Tanker PRESTIGE sind mehreren Faktoren einzubeziehen, bevor man so vehement gegen Politikaster und die Presse, die in diesem spezifischen und ähnlichen Fällen sowieso nichts zu melden haben, zu Felde zieht.
Denn in diesem charakteristischen Fall, so wie in vielen ähnlichen Fällen auch, kann man das politische Handeln der Regierungen und Parlamente nur als Nebenursache des allgemein besorgniserregenden Zustands der Seefahrt bezeichnen.
Denn politische Beschlusse sind fast nur von den Informationen abhängig, die von den Seefahrtsämtern und dem Begehren der Reederverbände an die Ministerialdirektoren weitergegeben werden. Sie entspringen nicht aus den Fantasien und Halbträumen von irgendeinem Politiker in Berlin.
Das gilt natürlich auch für Nachrichten aus der freien Presse, soweit man überhaupt von freier, unabhängiger Presse sprechen kann. 
Zuerst muss man also das Alter des Schiffes berücksichtigen, die MT. PRESTIGE war 30 Jahre alt. Noch ein Mal, und diesmal langsam zum mit Schreiben: dreißig Jahre alt. In bester Schrottreife also.     
Es gehörte der Liberianischen Reederei Mare Shipping Inc. und man höre und staune, sie fuhr für ein paar undurchsichtige alte texanische Rohölmarkt-Gaukler-Rentner, die aus lauter Langeweile einen Tanker betrieben, unter Bahamas Flagge.
Der Tanker war unter Beaufsichtigung des American Büro of Shipping.
Auf See, so um die 27 Seemeilen westlich Cabo de Finisterre, fiel von der Steuerbordseite her, bei einem See mit guten acht bis neun Windstärke aus Nordwest kommend, erstmal mir nix dir nix, ein Stück von dem Deck ab, und der fiel in den Bach. Das geschah am  Mittwoch dem 13 November gegen Mittag.
OK? OK!
Da schnappte sich der chinesische Schlepper DEDA, der zufällig in der Gegend war (derselbe Schlepper übrigens, der die in Deutschland entwickelten und später illegal in China gebauten und zurück an Deutschland verkauften Containerkräne) den Havaristen an den Haken und tuckerte damit, glücklich über den zusätzlichen unerwarteten Verdienst bei schlechtem Wetter brav und langsam gegen Wind und Wellen angehend, Richtung Nordwest.
OK? OK!
Am Freitag dem 15. ungefähr bei 10° W und 43° N und ein paar Zehntel, änderte der Schleppzug den Kurs und ging, weil das Wetter sich beruhigt hatte, in südwestliche Richtung.
Auch OK, nicht wahr?
Auch OK also!
Ab Montag dem 18., während der Schleppzug Richtung Südwesten, weit weg also von der Küste fuhr, gab es, begleitet von den ganzen Politikussen und sonstigen Experten und Pseudoexperten  wie in solchen Situationen üblich, mit Tauwauwau Geschrei und Trommel Tamtam, ein ständiges Tuch and Go zwischen dem Spanischen und portugiesischen Hoheitsgewässern.
Der Havarist jedoch, der immer noch im Schlepptau des Chinesen war, fuhr ständig in Spanischen Hoheitsgewässern.
Am Dienstag dem 19. gegen 11: 45h bei 42–16,5 Grad nördliche Breite und 12–06,9° Grad westlichen Länge, fast in portugiesischen Hoheitsgewässern also, brach das maltraktierte Schiff endlich entzwei und das mit ca. 70.000 Tonnen Rohöl geladene Achterschiff sank endlich in 3600 Meter tiefes Wasser.
Zu der damaligen Zeit befanden sich bei dem sinkenden Wrack vier Hochseeschlepper und die spanische Fregatte BALEARES.

Die Nase des Havaristen tauchte an dem gleichen Tag um 16: 30h, gerade eben zwei Seemeilen südlich davon, ab, aber befand sich immer noch in spanischem Gewässer.


 

Ab dem Moment war endlich erstmals Ruhe im Puff.


 Was haben Politiker, Zeitungsreporter und TV-Anstalten damit zu tun?
Welcher Seefahrtsexperte wagt es hier noch zu behaupten, dass es bei den Windstärken, die zu der Zeit in der verdammten Küste des Todes „La Costa dela Muerte“ herrschten, möglich war, mit dem Havaristen in irgendeiner Bucht Schutz zu suchen! Wo denn, verdammt noch Mal, in der Bucht von Vigo vielleicht, ihr Seefahrtsexperten?  
Hat sich jemand beim Verband der Deutschen Reeder, bevor er den Mund noch ein Mal in dieser Hinsicht aufmacht und noch einmal so einen Blödsinn erzählt, sich die Mühe gemacht, die hohen Wellen, die bei einem steifen NW-Sturm dort in der Küste des Todes herrschen, sich genau anzusehen?
Wenn ja? Warum erzählt der Schreiberling dann so ein Unfug?
Hätten diese Experten und Besserwisser auch befürwortet, dass (Gott bewahre) ein ähnlicher Tanker unter denselben Umständen in den Jadebusen oder in die Weser oder Elbe oder Ems unter Landschutz geschleppt werden würde?
Die Kieler Bucht bietet auch Landschutzmöglichkeiten, und wenn nicht, wie wäre es mit Eckernförde? 
Ihr spinnt ja, alle wie ihr da seid, ihr spinnt ja, ihr Spinner!
Warum zum Teufel versucht der Verband Deutsche Reeder, den Politiker und den Journalisten  in diesem Fall fast zu kriminalisieren?
Servil,  einige von denen können ja sein, aber sie sind keine Kriminellen!
Opportunisten ja, aber keine Seefahrtsexperten; naja OK, als Badewannen-„Aquanuten“  noch auch vielleicht, Kriminelle aber ganz bestimmt nicht, auf keinen Fall  in diesem Sinn.
Unter dem Dachverband des Verbandes Deutscher Reeder gibt es aber genug Seefahrtsexperten, genug erfahrene Sonderlinge der Seefahrt.
Bei dem VDR gibt es ja genug obskure Seilschaften und zweifelhafte Entscheidungsträger, die wesentlich nicht nur zu der Vernichtung der deutschen Seefahrt beigetragen haben, sondern dem ungeachtet  auch noch die Küstenländer und den Großteil der Bevölkerung wirtschaftlich geschändet haben.
Warum berichten die denn in ihrem Drang nach Gerechtigkeit, nicht über solche undurchsichtigen Bazillen?
Wie kommt es, dass solche Leute noch frei herumlaufen und ihrer Unwesen weiter treiben können?
Davon sollte man berichten, und nicht mit unverschämter Überheblichkeit über den Modus Operandi spanischer Seefahrtsbehörden ohne Schamgefühle und ohne zu erröten, herziehen.
In eigener Sache sollte sich der Verband Deutsche Reeder anfangen, sich ernsthaft, sehr ernsthaft und sehr schnell Sorgen zu machen, und nicht über den Kapitän der MT. PRESTIGE.
 
Denn, falls der Herr Marulas in diesem spezifischen Fall länger als drei Monate an Bord des Havaristen war, dann hätte er sich über den wahren Zustand des Schiffes voll bewusst sein müssen.
Demzufolge hätte Herr Apostolas Marulas, als pflichtbewusster und verantwortungsvoller Kapitän, nie und niemals mit dem Tanker auslaufen sollen, vielmehr hätte er,  Port State Control Informieren und das Schiff an der Pier festhalten müssen.
Das wäre in diesem Fall sogar seine Pflicht gewesen, nicht wahr?
Oder wie war das noch, verdammt noch mal!
Daher, falls das zutreffen sollte, ist er, zusammen mit all den Offizieren und Besatzungsmitgliedern, mit dem Reeder und dem ABS, in meinem Augen schlicht und ergreifend nicht anders als schuldig und zu Recht ein Fall für den Staatsanwaltschaft.
Sollte der Herr Marulas samt Besatzung aber weniger als drei Monate an Bord gewesen sein, dann trifft ihn und seine Männer, vorausgesetzt dass das Schiff homogen beladen worden war, keine Schuld, denn so lange braucht man ungefähr, um ein Schiff kennen zu lernen und sich bis ins Detail einzuarbeiten.
Besonders dann, wenn ein Schiff alle seinen Zertifikate up to date hat, ist es bei Dienstantritt verdammt schwer für Kapitäne und Offiziere, das Gegenteil zu beweisen und die nötigen Schritten für eventuelle Reparaturen, notfalls mit behördlichem Beistand, durchzusetzen.
Dafür aber sind all die anderen umso mehr schuldig, denn sie alle, die ABS vorweg, hätten somit bewusst und mit Absicht, nur des Geldes wegen, den prekären Zustand des Schiffes absichtlich verschwiegen oder aus lauter Betriebsgewohnheit gar nicht bemerkt und somit die gesamte Besatzung in unmittelbare Lebensgefahr gebracht.
Auf diese letzten Fragen kann nur ein Gerichtsverfahren eine Antwort geben.
Daher und nur deswegen ist der Herr Apostolas Marulas und sein Schiff der MT PRESTIGE ein Fall für den Staatsanwalt.
Soviel zu dem Tatsachenbestand im Fall des Herrn Apostolas Marulas und der MT. PRESTIGE.  
Wir, die Glorreichen Vierzehn, auf der ersten Etage des Seemannsheimes zu Bremen, wissen es schon seit langem.  
Nämlich dass der VDR  wirklich alles tut, um sich in den Augen der zur See fahrenden Welt und allen anderen auch, als ehrenwerte Gesellschaft zu präsentieren.
 
Don VDR, Baciamu li mani a vvossia!
 
7.1.08 21:41


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