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HIC MANEBIMUS OPTIME


Autor: Franco Parpaiola 

Kürzlich bekamen wir, die glorreichen Vierzehn, als Langzeitbewohner auf der ersten Etage des Seemannsheims in Bremen, Besuch von einem unserer  alten Schiffskameraden.

Er ist einer der wenigen, noch zur See fahrenden Kollegen, der uns hier besucht und deswegen kommt er immer kurz bei uns vorbei, wenn er mit seinem Schiff in Bremen ist.

Persönlich kenne ich ihn seit Anfang der 70er- Jahre aus dem Seemannsheim in Rotterdam und aus der Kneipe „La Grotte“ nebenan.

Damals, Mitte den 70er-Jahre, fuhren wir gemeinsam „Off-Shore“, auf amerikanischen Schleppern und Zubringern zu den Ölbohrtürmen der Nordsee, so lange schon kennen wir uns.

An dem Abend machte er mir einen betrübten Eindruck, er schien große Sorgen zu haben und ich fragte ihn, was mit ihm los sei.

„Der Reeder teilte uns mit“, erzählte er, „dass wir dem nächsten Montag in Rotterdam von ukrainischen Kollegen abgelöst werden. Für mich, den Steuermann und den polnischen Koch wird Montag Sense sein. Auch polnische Köche, die mit gerade mal 700 Dollar (alles inklusive) abgespeist werden, sind  für manche ehrenwerte Mitglieder des Deutschen Reeder-Verbandes langsam zu teuer. Nur der Kapitän soll vorläufig noch an Bord bleiben, aber auch er wird bald von einem Kapitän aus der Ukraine abgelöst werden. Gut, dass ich keine kleinen Kinder mehr habe“, meinte der Kollege. „Das ist das dritte Mal in zwei Jahren, dass ich meine Arbeit auf so eine Weise verliere. Wie soll ich es diesmal bloß meiner Frau beibringen?“ 

Nachdenkliche schaute er sich herum, er schaute einige Kollegen aus dem Ukrainer an die in Seemannsheim waren, ohne Argwohn, ohne Hass, er war nur Traurig.

„Du hast es geschafft Franco, du bist mit heilen Knochen davon gekommen, und du bist in Rente, Ich bin aber erst siebenundfünfzig Jahre alt,  werde ich überhaupt noch eine Change bekommen?“

Später bei uns im Klubraum, während einige asiatische Kollegen Billard spielten und ein paar ukrainische Seemänner nach Hause telefonierten, schaute er zu, resigniert und ohne Wut im Bauch oder Missbilligung ihnen gegenüber, er war nur deprimiert.

„Siehst du Franco, die rufen zu Hause an, um zu fragen, wie es ihren Frauen und Kindern so geht. Ich werde heute auch nach Hause anrufen und meiner Frau die Nachricht von meiner Ablösung mitteilen. Ich werde aber nicht fragen, wie es ihr geht, denn ich weiß jetzt schon, wie sie sich fühlen wird, nämlich beschissen!“

­Ihr Glücklichen aus Russland, aus der Ukraine, aus Polen und von den Philippinen, ihr seid aus Osteuropa, ihr seid aus dem Fernen Osten! Man hat euch auf Schiffen, die mit unseren Steuergeldern finanziert und größtenteils, zum Leidwesen der Pleite gegangenen deutschen Schiffswerften und entlassenen Werftarbeitern, im Ausland gebaut worden sind, unsere Arbeitplätze übergeben ­– ihr habt Arbeit!

Und wir sind die Arbeitslosen, die unfreiwilligen Frührentner, die betrogenen, die Vergessenen.

Kaum ein paar tage später erzählte uns, ein anderen noch zu See Fahrende Kollege der auf einen Sprung neulich in Seemannheim war, wie er von seiner Deutsche Reeder aufgefordert wurde, sich ein Bankkonto in Ausland zuzulegen.

Besser wäre es gewesen, so ließ man ihn wissen, wenn er, immer noch aus Reederei Steuerlichem Grunde und Vorteilen verstehet sich von selbst, nicht wahr? Auch noch seinem Domizil, im Ausland verlegen würde, das tat er nicht!

Sein Alter: 57 Jahre!

Seine Zivile Status:  Geschieden, zwei Kinder, Großvater.

Sein beruflicher Status: Dreißig Jahren Seefahrtzeit. Seit fünf Jahren bei demselben Reeder, als Alleinmaschinist bei 3600 KW und Schwerölbetrieb.

Sein Fahrtgebiet: Im Container Feeder Dienst, zwischen Deutschland-Skandinavien und den Baltischen Staaten, bei durchschnittlich 215 unbezahlten, (weil Leitender Offizier) Überstunden pro Monat.

Sein Schuld: Er ist ein deutscher Seemann der in Deutschland wohnen bleiben will!

Seine Zukunftsperspektive: Arbeitslosigkeit cum Panem et Circense, mit Harz IV und „Wetten Das“, also!

Saludos VDR Amigos, Saludos!

 

13.7.07 00:15


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